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Lean UX – METHODEN UND MINDSET

Mit Start-up-Methoden zu einem besseren Produkt

Agile Entwicklungsprozesse erlauben es, flexibel auf Änderungen funktionaler Anforderungen zu reagieren und diese gut zu beherrschen. Aber wie stellt man zwischen User Stories, Sprints und Stand-up Meetings sicher, dass die Belange des Nutzers nicht zu kurz kommen? Die nutzerzentrierte Entwicklung von Software entsprechend der Grundsätze von „Lean UX“ ist hierfür eine geeignete Methode.

Think, Make, Check

Lean UX basiert auf der Mischung verschiedener Denkansätze, um Prinzipien und Methoden zur Verbesserung der Usability und User Experience in eine agile Entwicklung zu integrieren. Der Grundgedanke stammt aus der amerikanischen Start-up-Szene. Lean UX stellt jedoch keine völlig neue Philosophie dar, sondern vereint vielmehr Ansätze der – Bereiche „agile Entwicklung“, „Design Thinking“ und „Lean Startup“. Die einzelnen Bereiche greifen sinnvoll ineinander und führen so zu einer schlanken („lean“), nutzerzentrierten Entwicklung von Produkten.

Ein Grundpfeiler von Lean UX sind agile Entwicklungsprozesse wie Scrum. Das iterative Vorgehen in Teams und das damit verbundene Umsetzen kleiner, gut beschreibbarer Pakete ermöglicht es, regelmäßig kleine, schnelle Tests durchzuführen. Ihre Ergebnisse fließen wiederum direkt in die weitere Entwicklung der nächsten Sprints ein.

Design Thinking, die zweite Säule von Lean UX, beschreibt eine lösungsorientierte Denkweise. Im Fokus stehen dabei zuerst das vollständige Verstehen des Problemkontextes und eine uneingeschränkte Kreativität bei der Lösungsfindung. Durch eine gesunde Portion Rationalität werden gefundene Lösungen dann an den Problemkontext angepasst. So lassen sich auch komplexe Probleme zunächst gründlich analysieren und angehen.

Um im Laufe dieses iterativen und kreativen Prozesses aber auch den richtigen Weg zu finden, bedient sich Lean UX bei der Denkweise von Lean Startup: Alles ist eine Hypothese und folglich zu überprüfen. Das ergebnisoffene Vorgehen setzt einen beständigen Lernprozess in Gang. Das Team lernt mithilfe von Experimenten über die Nutzer und den Markt. Damit das funktioniert, muss man sich jedoch bewusst sein, dass Scheitern zum Lernen dazu gehört. Nicht jede Hypothese wird validiert werden, nicht jedes Experiment die erhofften Ergebnisse liefern.

I can not learn without failing, and i can not fail without learning.

Jared M. Spool, UIE

Hypothesen – Unsere Grundlage

Von nebulösen Annahmen zu klaren Produkt-Features

Globale Hypothese
Wir glauben, dass [Annahme].
Unsere Annahme ist korrekt, wenn wir [Verhalten, Feedback, Kennzahlen-Veränderungen] beobachten können.

Subhypothese
Wir glauben, dass [Realisierung eines Features, einer Nutzererfahrung] 
für [bestimmte Menschen / Personas] in [Ergebniss] resultiert.

Wir werden richtig liegen, wenn wir folgendes sehen:
[Markt-Rückmeldungen, quantitative Erkenntnisse].

Annahme: eine abstrakte Ansicht über die Welt (Nutzer, Bedürfnisse, Trends, Marktnischen etc.)

Hypothese: Operationalisierung der Annahme

Ergebnisse: Validierung der Hypothese

Persona in Lean UX

hypothesenbasierende, ständig wachsende und validierte, prototypische Beschreibung der Menschen, für die eine Lösung gedacht ist

  • Name
  • Alter, Geschlecht
  • Background & Experience
  • Main Tasks
  • Sub Tasks (for certain groups)
  • Main Contacts
  • Main Goals
  • Needs
  • Personal Environment
  • Pain Points

MVP

Minimum Viable Product
Das Minimum Viable Product (MVP) beschreibt eine der Kernmethoden von Lean UX. Es verdeutlicht die Konzentration auf das Wesentliche und somit die kleinstmögliche erste Version eines Produkts. Und diese gilt es dann – im Rahmen von Annahmen und Tests – direkt am Markt und mit echten Nutzern zu überprüfen.

Dabei muss das MVP längst nicht jede Funktion des fertigen Produkts enthalten. Es genügt vielmehr eine erste, einfache Version, die dem Nutzer bereits einen gewissen Mehrwert bietet. Durch die Einschränkung auf die wesentlichen Features ist ein MVP häufig schnell umsetzbar und somit auch geeignet, um Annahmen früh und kostengünstig zu überprüfen.

Wizard of Oz

Menschen nutzen ein reales System – das Backend ist ein Mensch, der alle Systemreaktionen und – Veränderungen manuell „spielt“.

©Marian Gunkel

Wofür?
Neue Interaktionsformen testen

„natürliche“ , „intuitive“ Interaktionsformen (Sprache, Gesten, Blicksteuerung, ect.) herausfinden

Reaktionen auf „futuristische“ Systeme (z.B. smart home, Assitenten), (auch negative Reaktionen)

Lean UX Check

Kolloaborativ
alle Aktivitäten und Verantwortlichkeiten für UX Research werden an das gesamte Team verteilt

Ziel: alle lernen zusammen, alle haben ein tiefgreifendes, gemeinsames Verständnis

Alle Team-Mitglieder sind bei Interviews / Beobachtungen dabei, um gemeinsam von Nutzern zu lernen

UX Researcher coacht Team bei Planung und Ausführung

Kontinuierlich
Regelmäßige UX Research Aktivitäten (z.B. einmal pro Woche an einem bestimmten tag)

Das gesamte Team nimmt teil (auch remote per screen sharing)

Human-Centered Design

Processes for interactive systems [ISO 13407:1999].

Human-Centered Design bedeutet…

… den Prozess der Entwicklung einer Anwendung so zu gestalten, dass zu jedem Zeitpunkt die Bedürfnisse des späteren Benutzers im Mittelpunkt stehen.

Design Thinking

…beschreibt eine Vorgehensweise zur Entwicklung von Innovationen. Sie orientiert sich am Nutzer und dessen tatsächlichen Bedürfnissen. Die Methodik basiert auf der Überzeugung, dass Innovation nur dann entstehen kann, wenn sich multidisziplinäre Teams zusammenfinden, um innerhalb einer gemeinschaftlichen Kultur die Schnittstellen unterschiedlicher Erfahrungen, Meinungen und Perspektiven hinsichtlich einer spezifischen Problemstellung zu erforschen.

Für die Lösung komplexer Probleme setzt man auf ein möglichst vielschichtiges Team. Mit unterschiedlichen Hintergründen und Fachrichtungen. Das Gute: Je multidisziplinärer die Teams, desto innovativer sind meist die Lösungen. Die Teams durchlaufen einen Prozess in sechs Schritten, der mit dem Nutzer beginnt.

Design Thinking

Verstehen
Zunächst geht es darum, das Problemfeld zu verstehen und Expertenwissen zu erwerben. Zu diesem Zweck werden ein Glossar angelegt, ein gemeinsamer Arbeitsplatz eingerichtet, Direktiven für die Recherche geplant und diese eingeleitet. Zum Abschluss der Phase hat das Team eine geeignete Fragestellung entwickelt, welche die Bedürfnisse und Herausforderungen des Projekts definiert.

Beobachten
Hierbei erfolgt eine ausführliche, vorurteilsfreie Auseinandersetzung mit der Interessensgruppe mittels Beobachtung, Befragung und Interaktion, um deren Bedürfnisse zu erfassen und zu verstehen. Sämtliche daraus resultierenden Einsichten werden aggregiert und dokumentiert.

Sichtweise definieren
In dieser Phase werden die gewonnenen Einsichten zu einem Standpunkt verdichtet und ergeben ein gemeinsames Gesamtbild. Anhand von Skizzen werden Informationen gebündelt sowie Muster identifiziert und so das vorhandene Wissen vermittelbar gemacht – mit dem Ziel, aus einem gemeinsamen Wissensstand heraus agieren zu können.

Ideen finden
Bei der Phase der Ideengenerierung kann prinzipiell jede Kreativitätstechnik Anwendung finden (z. B. Brainstorming). Wichtig dabei ist, eine möglichst hohe Quantität an Ideen zu erzeugen. Anschließend werden die gesammelten Ideen strukturiert, nach Ähnlichkeit sortiert und zusammengefasst. Aus diesem Pool werden die vielversprechendsten Ideen hinsichtlich ihrer Erwünschtheit, Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit ausgewählt.

Prototypen entwickeln
In dieser Phase werden die herausgefilterten Ideen iterativ erprobt. Zum Einsatz kommen dabei aufwandsarme Prototypen, z. B. Papiermodelle, aber auch Rollenspiele. Dabei geht es darum, die jeweiligen Ideen besser zu verstehen und zu veranschaulichen.

Testen
Nehmen die Prototypen realiter Formen an, werden sie im offenen Dialog mit der Interessengruppe getestet. Das resultierende Feedback dient als Quelle für Optimierungen und mögliche Alternativen.

Lean UX vs Agile UX

©Marcin Treder

Better together

©Dave Landis

Fall in love with the problem not the solution.

Uri Levine, co-founder of Waze

Fazit

Lean UX ist eine Mischung aus Prinzipien und Methoden, die es erlauben, Ideen und Produkte schnell und zielgerichtet zu entwickeln. Dabei entsteht jedoch kein großer Masterplan zu Beginn der Entwicklung, sondern eine kontinuierliche Ausrichtung am Kunden während der laufenden Entwicklung. Gemeinsam mit der Fokussierung auf Teamarbeit und dem konsequenten Testen von Hypothesen bietet Lean UX die Möglichkeit, mitreißende Produkte und Ideen mit und damit auch für den Kunden zu verwirklichen.

Literatur & Quellen

Ron Kohavi; Online Experimentation at Microsoft (2009)

Jeff Gothelf mit Josh Seiden; Lean UX – Applying Lean Principles to Improve User Experience; O’Reilly 2012

Eric Ries; The Lean Startup; Portfolio Penguin 2011

Anthony Viviano; The Lean UX Manifesto: Principle-Driven Design; Smashing Magazine, 2014

Jeff Gothelf; Lean UX: Getting out of the Deliverables Business; Smashing Magazine, 2011

Anders Ramsay; Agile UX vs Lean UX – How they’re different and why it matters for UX designers, 2012

Fabian Hennecke – Lean UX: Mit Start-up-Methoden zu einem besseren Produkt

mediaworx berlin AG – Design Thinking

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